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Jeder Besucher des Muldentals sollte den schönen Gottesacker zu Ober-Nitzschka aufsuchen. Schon seine burgartig überragende Lage mit der wunderschönen Aussicht auf das Muldental lohnt die Mühe. Aber auch für den Alterumsfreund bietet der Friedhof einige Ausbeute. Das älteste Stück ist leider nur der Bruchteil eines Grabdenkmals wohl größeren Umfanges. Es ist der knieende Ritter an der Kirchenwand, den die Überlieferung als Wolf von Minckwitz anspricht. Kleidung und Art der Darstellung weisen auf die Zeit um 1590 hin. Die scharfen Schnittflächen aus einem größeren Werke, wohl aus einem sogenannten Familienepitaphe.
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Das endende 16. Jahrhundert liebte es, auf dem Denkmale eines Verstorbenen nicht allein diesen, sondern mit ihm seine ganze Familie darzustellen; sei es in einfacher Tafelmalerei, wie die Holzplatte für den M. Braun in der Wurzener Domkirche oder sei es in einem machtvollen Sandsteinwerk wie in dem Bünaudenkmal in Lauenstein. Der Tote wurde mit den Seinen knieend im Gebete dargestellt - als sog. Adoranten-, rechts die männlichen, links die weiblichen Familienmitglieder. Ein Denkmalswerk dieser Art scheint auch in Obernitzschka vorhanden gewesen sein. Die Dargestellten knieten im Hochrelief vor einer Art Vorhang mit Kreuzmuster, was man auf dem Bruchstücke noch erkennen kann. Die Gestalt des Ritters selbst ist sehr verstümmelt, weist aber dennoch eine tüchtige Arbeit auf, die den Verlust der übrigen Teile umso mehr bedauern läßt. Künstlerisch unerheblich ist die Grabplatte des Dietrich von Starschedel (verst. 1702), aber für die Richtung des beginnenden 18. Jahrhunderts bezeichnend. Auf dem Unterteile der Platte liegt ein schlummernder Putto, ihm zu Füßen die Sanduhr. Vier Ahnenwappen umrahmen die Inschrift. Zwei Putti mit der Krone des Lebens über dem Namensschild des Verstorbenen bilden den oberen Abschluß. Hingegen ist der schlichte Stein der Johanne Charlotte von Holleufer (gest. 1784) sehr anmutig.
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